Headnut für "Headnut TV"
Wie Headnut TV seine Interviewpartner ablinkt
Offener Brief
Hofmann & Voges Entertainment GmbH
Herrn Lynn Schmitz
und
PRO 7
Sehr geehrter Herr Schmitz
 Nun haben Sie mir die Unterlassungserklärung endlich doch noch geschickt. Ich hatte Glück, denn ich wurde rechtzeitig darauf aufmerksam gemacht, um welche Sendung es eigentlich geht. Ich frage mich, wie sich Leute fühlen mögen, die das nicht rechtzeitig erfahren und erst nach Ausstrahlung der Sendung bemerken, auf wen sie hereingefallen sind. Sie machen es ja durchaus geschickt, weil Sie den Interviewpartnern vormachen, die Sendung sei im Planungsstadium und erst Ende des Jahres sei mit der Ausstrahlung zu rechnen. Wirklich geschickt. Wie mögen sich die fühlen, die leichter einzuschüchtern sind (auch bei mir haben Sie ja die ganze Palette an Einschüchterungversuchen ausprobiert, siehe unten), und schließlich die, die vor der "Macht" eines Medienkonzerns, mit dem sie es zu tun zu haben glauben, ohnehin kapitulieren (wie sagten Sie mir so schön: "Der Vertrag wurde von der Rechtsabteilung von PRO 7 entworfen und ist absolut wasserdicht." - Wer mag sich da schon noch trauen, sich zu wehren ...).
Im Nachhinein ekelt mich die Coolness, mit der Sie schlussendlich dann doch in meine Forderungen einwilligten (wenn auch erst nach massivem Druck von meiner Seite), wie Sie dies mit einer freundlichen hellen Stimme am Telefon mitteilen, als seien wir in bestem Einvernehmen, wo Sie noch ein Telefongespräch vorher meinten auftrumpfen zu können, dass ich "gar nichts machen" könne, schließlich hätte ich einen Vertrag unterschrieben und schließlich sei ich freiwillig zu dem Interview gekommen. Doch dann hatten Sie ein Gespräch mit Ihrem Rechtsanwalt, wie Sie ja freimütig zugegeben haben, der Ihnen offenbar klar gemacht hat, dass Sie rechtlich keinerlei Chance hätten. Ich höre noch immer diese freundliche Stimme am Telefon, als sei kein Schatten eines Konflikts in unserer Beziehung, dabei waren Sie noch Minuten vorher bereit, mich gnadenlos in Ihrer Sendung "zu verheizen". Ihr Handeln erinnert mich an ein arabisches Sprichwort: "Die Hand, die man nicht abhacken kann, muss man schütteln!" Und so schüttelten Sie schließlich meine Hand.
Sie haben ja schon auf eine Art etwas 'Treuherziges', mein lieber Herr Schmitz. Fragen Sie mich doch in aller Arglosigkeit, wie ich denn an ein Exemplar des Vertrags gekommen sei, den ich in München kurz vor dem Interview zur Unterschrift vorgelegt bekam. "Haben sie eines stibizt?", fragen Sie mich. Man könnte das niedlich finden, doch dürfte einem das Lächeln auf den Lippen schnell gefrieren, wenn man sich klar macht, was Sie damit eigentlich zugegeben haben: Offenbar ist es bei Ihnen nicht üblich, dass der Vertragspartner das Doppel des Vertrags, den er bei Ihnen unterschreibt, von Ihnen erhält. Ich habe es auch nur bekommen, weil ich es forderte. Klar: Ihre Verhandlungsposition mir gegenüber wäre um ein Vielfaches stärker gewesen, wenn ich gar nicht wüsste, was ich eigentlich da in München bei Ihnen unterschrieben habe. Erneut spüre ich Ekelgefühle aufsteigen - aber ich muss da durch, denn ich denke, es besteht eine gewisse Chance, weitere "Opfer" vor Ihnen zu warnen.
Wie man ein "Interview" erschleicht
Ihre Mitarbeiterin erzählte mir am Telefon (wie ich Ihnen bereits sagte, sind die Aussagen alle durch Zeugen belegbar, die die entsprechenden Telefonate mit angehört haben):
- Es handle sich um eine von "Hofmann & Voges Entertainment" produzierte neue Jugendsendung, die Ende des Jahres erstmals ausgestrahlt werden solle. Das Fax, in dem mir die Einzelheiten meiner Reise mitgeteilt wurden, trägt den Briefkopf dieser Firma. Tatsache ist, dass die Sendung von einer Fa. namens "headnut industries GmbH & Co KG" produziert wird. Der Vertrag mit meiner Einverständniserklärung trägt im Kopf dann auch diesen Namen. Ganz offenbar soll der Interviewpartner nicht 'rechtzeitig' wissen, an welcher Sendung er in Wahrheit teilnimmt. Ihm wird die Entscheidung, ob er an dieser Sendung überhaupt teilnehmen will, unmöglich gemacht, denn wenn er mal in München ist, hat er keine Gelegenheit mehr zu recherchieren, mit welcher Produktionsfirma er sich da eigentlich einlässt. Ich wäre niemals zu diesem Interview erschienen, wenn mir bewusst gewesen wäre, um welche Art Sendung es sich in Wahrheit handelt.
- Es sei noch nicht entschieden, für welchen Sender diese Sendung letztlich produziert werde, sie werde vermutlich dem ZDF und PRO7 angeboten. Tatsache ist, dass die Sendung bereits läuft. Auch hier soll dem Interviewpartner ganz eindeutig die Möglichkeit genommen werden, sich ein Bild davon zu machen, in welcher Sendung er eigentlich auftreten soll. Ich hätte in meiner Eigenschaft als Sexualtherapeut einem Auftritt in dieser Sendung niemals zugestimmt.
- Es sei (leider) kein Budget für die Zahlung von Honoraren vorhanden. Tatsache ist, dass auf Verlangen sehr wohl Honorare gezahlt werden. Der Hinweis auf eine "Low-Budget Jugendsendung dient eindeutig dem Ziel, mit dem Auftritt in dieser Sendung eine Art "soziales Engagement" vorzugaukeln. Ich hätte ohne diese Angaben niemals einem honorarfreien Interview zugstimmt. Hier wurde meine Bereitschaft, mich für die Ziele der von mir gegründeten Bürgerinitiative, vor allem aber für die Förderung von Toleranz und ein Bewusstsein für die Bedeutung von Bürgerrechten in unserer Jugend auch ohne angemessene Entschädigung für meinen Verdienstausfall zu engagieren, in schamloser Weise ausgenutzt.
- Es gehe in der Sendung darum, dem jugendlichen Zuschauer verschiedene Berufe vorzustellen, in meinem Fall den Beruf des Sexualtherapeuten. In Wahrheit handelt es sich um eine Sendung, die eindeutig in den Bereich "Groteske" (Persiflage) gehört.
Die erwähnten wahrheitswidrigen Angaben sind nur die bedeutsamsten der vielen wahrheitswidrigen Angaben, die zum Zustandekommen des Interviews geführt haben.
Trotz diesen Ungeheuerlichkeiten war ich zunächst bereit, mich mit Ihnen zu einigen. Ich kann ganz gut über mich selbst lachen und hätte im Prinzip kein Problem damit, in Ihrer Sendung "Headnut TV" mitzumachen. Aber es ist meines Erachtens ein Gebot des Anstands, dass Sie mir angesichts der Art, wie das Interview zustande gekommen ist, wenigstens die Entscheidung überlassen, ob das, was Sie da aus meinem Interview (das mehr als 80 Minuten dauerte) auf 12 Minuten zusammen geschnitten haben, für mich ok ist. Und es ist ebenso eine Frage des Anstands, dass Sie bereit sind, mir ein angemessenes Honorar zu zahlen (ich bin schließlich nicht dafür zuständig, Ihre Sendung durch meinen Verdienstausfall zu finanzieren). Ich war sogar bereit, das Honorar nur für den Fall einzufordern, dass der Beitrag auch tatsächlich gesendet wird, war also bereit, auf das Honorar zu verzichten, wenn ich von meinem "Vetorecht" Gebrauch gemacht hätte und der Beitrag mit mir daher nicht gesendet hätte werden dürfen. Aber selbst dafür war Ihnen ein Honorar von 1.250 Euro zu teuer. Sie wollen zwar damit werben können, "den Nacktläufer" hereingelegt zu haben, aber das darf dann nicht einmal 1.250 Euro kosten. Das ist wahrlich erbärmlich, mein verehrter Herr Schmitz.
Doch die Art und Weise, mein verehrter Herr Schmitz, wie Ihre Mitarbeiterin sich in München sogar um die Zahlung der Fahrtkosten für meine Fahrt zum Flughafen in Basel zu dürcken versuchte, das setzt dann, im Nachhinein betrachtet, wirklich allem die Krone auf.
Das ist wirklich "ablinken" und "abzocken" pur !
Mögen wir uns nie begegnen!
Dr. Peter Niehenke
27. Mai 2002
Siehe auch: Testbericht: "Headnut TV: Wer will das bitte sehen???
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